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Wachsen, wachsen, wachsen
Wien, 22.03.2011 - Interview mit Igor Strehl, Vorsitzender des Vorstandes
Herr Strehl, Sie haben mit 16. März den Vorsitz des Vorstands der VTB Bank (Austria) AG übernommen. Welche Ziele haben Sie sich für dieses Jahr und die kommenden Jahre gesetzt?
Vorstandsvorsitzender Igor Strehl: Wachsen, wachsen, wachsen! Wir haben viel Kapital, aber noch zu wenig auf der Passiv-Seite. Als Mutter der VTB (Deutschland) und VTB (France) hat die VTB Bank (Austria) konsolidiert eine Mrd. Euro Equity, aber nur 7,5 Mrd. Euro Balance Sheet. Bei dieser Eigenkapitalbasis streben wir eine Bilanzsumme von 15 Mrd. Euro bei einem Kreditvolumen von zehn Mrd. Euro an.
Wo sehen Sie das Hauptpotenzial Ihrer Wachstumsstrategie?
Strehl: Vor allem im Kreditgeschäft. Das Schöne ist, dass die anderen Banken zurückfahren müssen, während wir gegen den Strom schwimmen. Wir können große Kreditentscheidungen innerhalb von ein bis zwei Monaten treffen. Das ist heutzutage sehr schnell.
Diesen ambitionierten Wachstumsplänen stehen aber Rankings von Moody’s (Baa3/stabil) und Fitch (BBB-/stabil) gegenüber, nach denen die VTB Bank (Austria) nicht so gut dasteht.
Strehl: Wir sind mit Triple B einen Schritt vor Single A. Damit haben wir das höchstmögliche Rating, weil russische Banken quasi einen Länderdeckel haben, der derzeit kein A-Rating zulässt. Und das färbt auf die VTB (Austria) ab. Man kann lange darüber diskutieren, ob das gerechtfertigt ist. Ich sehe das etwas anders als die amerikanischen Rating-Agenturen. Russland hat sich komplett saniert, Russland hat keine Schulden wie die westlichen Länder. Außerdem sitzt Russland auf riesigen Rohstoffreserven, die immer knapper und damit teurer werden.
Trotzdem: Das Rating verteuert die Refinanzierungskosten der VTB Bank (Austria).
Strehl: Wir haben Alternativen. Wir erhalten laufend große Beträge von unseren russischen Korrespondenzbanken. So erhielten wir kürzlich von der russischen Zentralbank 750 Mio. USD zur Veranlagung. Und wir können unsere Gewinne hier thesaurieren. Das haben wir in den letzten Jahren bereits in Deutschland praktiziert. Ich habe dort 2007 begonnen und damals hatte die Bank 95 Mio. Euro Equity. Jetzt haben wir in Deutschland 274 Mio. Euro Equity. Das meiste davon sind thesaurierte Gewinne. Mit der Kapitalerhöhung im März 2011 kommen 20 Mio. Euro dazu, sodass die Kapitalbasis der VTB (Deutschland) in den vergangenen vier Jahren von 95 Mio. auf fast 300 Mio. Euro gestärkt wurde. Mein Auftrag ist es, diese Erfolgsstory mit der VTB Bank (Austria) zu wiederholen. Und dank einer soliden Kapitalbasis können wir das Kreditgeschäft ordentlich ankurbeln.
Tritt die VTB Bank (Austria) damit in direkte Konkurrenz zu den großen österreichischen Playern? Konkret Erste Bank und RZB, die auch ein großes Netz in Osteuropa haben?
Strehl: Die österreichischen Banken sehen wir nicht als Konkurrenten, sondern als Partner an. Wir wollen mit diesen Instituten nicht konkurrieren, sondern kooperieren. Mit Raiffeisen haben wir im vorigen Jahr zwei große Transaktionen durchgeführt. Einmal ein Syndikat über 200 Mio. USD, das zweite Geschäft über 250 Mio. USD, beides betraf Kunden aus der Ölbranche. Genau solche Partnerschaften streben wir an. Wir suchen Kunden und Kundinnen, die wir gemeinsam betreuen können. Auch mit der Erste Bank sind wir diesbezüglich im Gespräch.
Die VTB Bank (Austria) ist dafür bekannt, dass sie Kunden und Kundinnen aus Russland und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei ihren Aktivitäten in Europa unterstützt. Wie sieht es in der umgekehrten Richtung aus – wie groß ist der österreichische Kunden- und Kundinnenstock?
Strehl: Wir haben immer schon österreichische Kunden und Kundinnen betreut. Aber es stimmt, dass das Kreditvolumen mit österreichischen Unternehmen derzeit einen sehr geringen Anteil an unserem Gesamtvolumen hat. Unser Problem liegt auch darin begründet, dass der Markenname Donaubank bekannt war und immer noch ein Begriff ist, während die Marke VTB nach dem Rebranding vor vier Jahren noch im Dornröschenschlaf liegt – zumindest hier in Europa. Das wird sich jetzt ändern.
Wie wollen Sie den Markt nun aufrollen?
Strehl: Es gibt in Österreich etwa 50 große Unternehmen und dazu den Mittelstand – all diese wollen wir direkt ansprechen. Einige haben wir schon besucht. Ich brauche hier keine Namen zu nennen, die österreichischen Unternehmen mit Aktivitäten in Russland sind ja bekannt. Jetzt geht es darum, ein paar Referenzprojekte abzuwickeln. Unser Approach sind die Big Numbers. Nicht Milliardengeschäfte, aber Volumina von zehn bis 250 Mio. Euro. Das ist unser Kreditvolumen, das wir pro Kundeneinheit selbstständig abwickeln können. Wir könnten natürlich mit VTB (Moskau) viel mehr bewegen, aber wir wollen uns am österreichischen Markt als VTB Bank (Austria) positionieren und nur das leisten, was wir aus eigener Kraft zu leisten imstande sind.
Welche Möglichkeiten kann die VTB Bank (Austria) österreichischen Unternehmen in Russland eröffnen? Insbesondere bei Aufträgen für die Olympia-Stadt Sotschi waren die Erwartungen höher, als sie bislang erfüllt werden konnten.
Strehl: Wir sind offen für alle Anfragen, aber wir sind kein Vermittlungsinstitut. Wir können Firmen nicht in Sotschi vorstellen, dort muss das Unternehmen selbst agieren. Aber wenn es mit der Administration von Sotschi einen Vertrag gibt, dann bieten wir gerne unsere Unterstützung an. Selbstverständlich kennen wir die Administration besser als jede westeuropäische Bank. So können wir helfen, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Auf diese Weise können wir Unternehmen immer unterstützen, egal ob es sich um die Olympiade oder einen Krankenhausbau oder ein Stahlwerk handelt. Wir sind bei der Auswahl des Risikos nicht auf einige Branchen spezialisiert. Wir sagen: Wir wollen gutes Risiko. Und gut heißt für uns, dass wir nachvollziehen können, auf welche Quelle der Kredit zurückgeführt werden kann. Wir sind damit für Unternehmen aller Branchen diejenigen, die die besten Verbindungen nach Russland und in die GUS-Staaten haben.
Wird die VTB Bank (Austria) künftig auch den Privatkunden und -kundinnen Kredite anbieten?
Strehl: Das gehen wir eins nach dem anderen an. Im zweiten und dritten Schritt, in ein bis zwei Jahren, wollen wir unsere Angebotspalette erweitern.
Wagen Sie schon eine Prognose für die Geschäftsentwicklung?
Strehl: Wir wollen uns in drei Jahren verdoppeln. Sowohl die VTB Bank (Austria) als auch die Subholding mit den Töchtern Deutschland und Frankreich. Der größte Treiber wird aber Österreich sein. Hier haben wir das meiste Potenzial.
